Erlebnis Eisangeln

Was brauche ich? Wohin geht es? Welche Klamotten und welche Ausrüstung nehme ich mit. Fragen über Fragen.

In der Schweiz gibt es verschiedene Gewässer, die sich im Winter und Frühjahr bestens für das Eisfischen eignen.

Im Kanton Bern sind die drei Bergseen Arnensee, Engstlensee und Oeschinensee fürs Eisfischen besonders attraktiv. Denn wer geniesst nicht gerne die Sonne unter dem stahlblauem Himmel, umgeben von frischem Neuschnee, wenn im Unterland der Nebel wallt? Aber es kann auch schneien und ne kalte Biese über die Berge donneren.
Das Eisfischen eignet sich auch ganz besonders, um wieder einmal zusammen mit guten Freund:innen oder mit der Familie zu angeln. Während den Beissflauten lässt sich so wunderbar über die gewaltigen Fische im See philosophieren, die vielleicht gerade zu diesem Zeitpunkt unter der Eisdecke – und unter den eigenen Füssen – durchziehen. Manchmal kann man sie durchs Eisloch sehen.

Die gute Ausrüstung ist ein Muss

Gemütlich angeln kann man natürlich nur, wenn man nicht kalt hat. Deshalb gehört eine wind- und wetterfeste Bekleidung mit geeignetem Schuhwerk zur Grundausrüstung. Heisse Getränke und eine Verpflegung wie auch eine starke Sonnencrème und Sonnenbrille werden auf jeden Fall in den Rucksack gepackt. Abfälle werden nach dem Fischen selbstverständlich wieder mitgenommen.
Wenn das Eis aber dicker ist oder wir in vernünftiger Zeit verschiedene potentielle Standplätze abklappern wollen, nehme ich einen Eisbohrer mit.
Zum Angeln eignet sich praktisch fast jede kurze Rute. Mit dem Pilker, Jucker oder toten Köderfisch auf dem System kann man sowohl an einer kurzen Spinnrute wie auch an den klassischen skandinavischen 30 cm langen Plastikruten angeln. Welche Rute du vorziehst, wenn du bedenkst, dass vielerorts auch jederzeit eine 20-pfündige Kanadier anbeissen kann, überlasse ich dir. Fischt man mit der Hegene, greift man eher zu einer kurzen Eisrute.

Angeltechnik

Weil man nie genau weiss, in welcher Tiefe die Fische sich gerade befinden und das Zooplankton für die meisten Fische in den Bergseen die Hauptnahrung darstellt, ist das Angeln mit der Hegene normalerweise die fängigste Angeltechnik. Bei tiefen Temperaturen sollte die Rute nicht mit kleinen oder allzu vielen Ringen versehen sein. Auch geflochtene Schnüre eignen sich unter solchen Bedingungen nicht.
Da die Fische eben häufig in der Schwebe stehen, sollte bei der Hegene der Abstand der Springer unbedingt gross genug sein. Bei der Wahl der Nymphen können ein paar moderne Muster in fluoreszierendem gelb, grün oder pink berücksichtigt werden – diese dürfen versuchsweise auch ein bisschen fett gebunden sein. Daneben sollten aber ein klassisches rotes und ein dunkles Muster von schwarzer oder violetter Farbe auf keinen Fall fehlen. Im Gegensatz zum Felchenangeln, bei dem meistens möglichst gleichmässig gezogen wird, kann beim Eisangeln auch ab und zu durch ruckiges Bewegen der Angelrute den Nymphen etwas mehr Leben verliehen werden. Doch die Saiblinge sprechen von Tag zu Tag unterschiedlich auf diese Vorgehensweise an und beissen manchmal auch einfach an der stehenden Rute.

Natürliche Köder versprechen Erfolg

Bei der Hakengrösse kann man neben der häufig gebrauchten Nr. 12 auch einmal eine Nr. 10 ausprobieren. Meistens fängiger sind die Hegenen in Kombination mit natürlichen Ködern. Dies gilt übrigens auch für Jucker oder Pilker. Dazu eignen sich Fleischmaden am besten, doch kann man eigentlich eine Vielzahl von verschiedenen Ködern wie Würmer, Bienenmaden oder gar Mais dazu verwenden. Einmal fängt man, wenn man gar keine oder nur eine Made anhängt, ein andermal können es aber fast gar nicht genug sein. Auch häufiges Erneuern erhöht die Fangchancen.
Wer gezielt grosse Fische fangen will, sollte mit dem toten Köderfisch auf einem Bleikopfsystem, zum Beispiel dem Tirolersystem, angeln. Dabei kommen dann Drillinge zwischen Grösse 8 und 4 und ein Monofil zwischen 0.30 und 0.40 zum Einsatz. Beissen die Kanadischen Seeforellen gut, lassen sie sich weder durch die grossen Drillinge noch durch den 0.40 Monofil vergrämen. Sollte dann tatsächlich aber einmal deinTraumfisch beissen, hast du mit dieser Montage auch eine echte Chance, ihn zu erwischen.
Das Wetter spielt für die Beisslust der Fische im Winter eher eine untergeordnete Rolle. Fische fangen kann man überdies den ganzen Tag, doch gibt es auch Stellen, wo nur morgens Fangerfolge möglich sind.

Das Erlebnis zählt

Beim Eisangeln ist das ganze Drumherum am Schönsten. Man fährt mit der Familie oder Freund:innen in die Berge. Nach einer kurzen Fahrt mit der Gondel und einem wunderschönen ca. 20 min Fussmarsch ist der gefrorene See bereits in Sichtweite. Dort angekommen, richtet man sich gemütlich ein. Bohrt ein paar Löcher in die Eisdecke und geniesst angelnd die verschneiten Berge. Zwischendurch gibt es noch ein feines Fleisch- und Käseplättli mit den entsprechnden Drinks dazu. Zum Schluss fährt man mit dem Schlitten Richtung Tal. Zurück bleibt ein Fish & Drink der ganz besonderen Art.

Lawinen, Eisbruch und Steinschlag

Die Gefahr eines Lawinenniedergangs sollte beim Eisangeln niemals unterschätzt werden. Erkundigen Sie sich vor Ort – beispielsweise beim Bergrestaurant – oder übers Internet wo sie gefahrlos angeln können.
Im späten Frühjahr muss das Eis natürlich auch noch genügend dick sein, damit Sie es ohne Risiko betreten können. Wagen Sie sich lieber nicht aufs Eis, wenn die Lage unsicher scheint oder Sie den See nicht kennen (Einbruchgefahr).
Sollte es beim Fischen um Sie herum plötzlich ächzen und krachen, so bleiben Sie am besten ganz ruhig stehen. Geraten Sie nicht in Panik und rennen Sie nicht Richtung Ufer. Die Eisplatten auf dem See sind ständig in Bewegung und wenn der Wasserspiegel während des Winters absinkt, kommt es in Ufernähe zu Eisbrüchen.
Mit der Gefahr von Lawinenniedergängen und Steinschlag muss beim Eisangeln immer gerechnet werden und das Betreten der Eisfläche erfolgt jederzeit auf eigene Verantwortung.

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